
Wohnen wird teurer! Das liegt nicht nur an hohen Immobilienpreisen, Baukosten oder Mieten. Auch die laufenden Gebühren und Abgaben rund ums Wohnen steigen vielerorts weiter. Der neue Wohnnebenkosten-Vergleich des Bundes der Steuerzahler zeigt erneut erhebliche Unterschiede zwischen den 16 Landeshauptstädten. Der BdSt hat für seinen Vergleich die jährlichen Kosten für einen Drei-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus ermittelt. Berücksichtigt werden Trinkwasser, Schmutzwasser, Niederschlagswasser, Abfall, der Rundfunkbeitrag und die Grundsteuer. Das Ergebnis ist erschreckend: Ohne Grundsteuer steigen die Wohnnebenkosten im Durchschnitt von 1.438,51 Euro im Jahr 2025 auf 1.492,16 Euro im Jahr 2026. Das sind 53,65 Euro bzw. rund 3,7 Prozent mehr.
Ohne Grundsteuer ist Potsdam mit 1.985 Euro pro Jahr erneut die teuerste Landeshauptstadt. Dahinter folgen Saarbrücken mit 1.837 Euro, Magdeburg mit 1.740 Euro und Dresden mit 1.680 Euro. Am günstigsten ist es in Kiel mit 1.251 Euro, gefolgt von Mainz (1.270 Euro) und Berlin (1.309 Euro).
Gesamtkosten ohne Grundsteuer 2026: Höhere Trinkwasser- & Schmutzwassergebühren

Besonders erschreckend ist die Entwicklung in Potsdam: Dort steigen die Wohnnebenkosten innerhalb eines Jahres um 229 Euro bzw. rund 13 Prozent. Hauptursachen sind deutlich höhere Trinkwasser- und Schmutzwassergebühren. Auch in Dresden (+76 Euro), Magdeburg (+125 Euro) und Saarbrücken (+117 Euro) fällt die zusätzliche Belastung erheblich aus. Im Durchschnitt verteuern sich vor allem Trinkwasser, Schmutzwasser und Abfall. Die Trinkwasserkosten steigen um rund 4,8 Prozent, die Schmutzwassergebühren um rund 5,5 Prozent und die Abfallgebühren um rund 3,9 Prozent. Bei den Niederschlagswassergebühren fällt der Anstieg mit rund 1,3 Prozent deutlich moderater aus.
Der langfristige Vergleich zeigt, dass die Wohnnebenkosten für das Musterhaus in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen sind. Im Durchschnitt erhöhen sich die jährlichen Kosten von 1.200,49 Euro im Jahr 2016 auf 1.492,16 Euro im Jahr 2026. Damit muss der Musterhaushalt heute durchschnittlich 291,67 Euro mehr pro Jahr für die untersuchten Wohnnebenkosten aufbringen als noch vor zehn Jahren. Das entspricht einer Steigerung von rund 24,3 Prozent.
Auch langfristig fällt die Entwicklung in den einzelnen Landeshauptstädten sehr unterschiedlich aus. In allen untersuchten Städten liegen die Wohnnebenkosten 2026 über dem Niveau von 2016. Die Höhe des Anstiegs reicht dabei von vergleichsweise moderaten Entwicklungen bis zu Mehrbelastungen von mehreren hundert Euro jährlich.
Besonders stark ist der absolute Anstieg in Potsdam. Dort erhöhen sich die jährlichen Wohnnebenkosten innerhalb von zehn Jahren um 490,32 Euro. Die Belastung steigt damit von 1.494,87 Euro im Jahr 2016 auf 1.985,19 Euro im Jahr 2026. Auch in Magdeburg fällt der Anstieg mit 455,56 Euro erheblich aus. In Saarbrücken kommen im Zehn-Jahres-Vergleich 449,13 Euro hinzu. Hannover verzeichnet mit 441,71 Euro ebenfalls eine besonders hohe zusätzliche Belastung.
Gesamtkosten mit Grundsteuer 2026

Mit Grundsteuer verändert sich das Ranking 2026. Stuttgart bleibt der teuerste Standort, während Schwerin am günstigsten abschneidet:
Für das Musterhaus ergeben sich 2026 im Durchschnitt 2.018,69 Euro pro Jahr. Die Spannweite zwischen den 16 Landeshauptstädten ist erheblich: Während in Schwerin 1.614,78 Euro anfallen, sind es in Stuttgart 2.606,07 Euro. Damit liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Standort 991,29 Euro pro Jahr. Auf den weiteren vorderen Plätzen folgen Erfurt mit 1.757,31 Euro, Kiel mit 1.791,99 Euro, Berlin mit 1.843,79 Euro und München mit 1.852,82 Euro.
Fazit: Seit Beginn des Vergleichs im Jahr 2016 sind die Wohnnebenkosten in allen Landeshauptstädten deutlich gestiegen. Im Durchschnitt muss der Musterhaushalt heute rund 292 Euro mehr pro Jahr für die untersuchten laufenden Wohnnebenkosten aufbringen als noch vor zehn Jahren. Das entspricht einem Anstieg von rund 25 Prozent.
Der Wohnnebenkosten-Vergleich 2026 legt offen: Der Staat und die Kommunen sind wesentliche Wohnkostentreiber. Wer Wohnen bezahlbarer machen will, darf deshalb nicht nur auf Mieten und Baukosten schauen. Auch Gebühren, Steuern und Abgaben müssen auf den Prüfstand.
Die Menschen dürfen keinesfalls weiter belastet werden. Denn schon beim Kauf einer Immobilie langt der Fiskus zu – Jahr für Jahr kommen dann weitere Belastungen hinzu!
Unsere Forderungen
Darf nicht teurer werden
Grundsteuer aufkommensneutral reformieren: Der BdSt plädiert für eine wertunabhängige Einfachgrundsteuer mit niedrigen Hebesätzen.
Eigenheim ermöglichen
Spürbare Entlastungen bei der Grunderwerbsteuer: Kurzfristig sollte der Ersterwerb eines typischen Eigenheims steuerfrei gestellt werden. Zudem sollten generell die Steuersätze deutlich reduziert werden.
Stromsteuer senken
Der Stromsteuersatz, der den EU-Mindestwert um das 20-fache übersteigt, ist abzusenken.
Wohnnebenkosten senken
Die Mehrwertsteuer auf Energie sollte von 19 Prozent auf 7 Prozent gesenkt werden, wie es bereits in anderen EU-Staaten der Fall ist.
Bauboom auslösen
Die Abschreibungsmöglichkeiten für Wohnimmobilien sollten verbessert und bürokratische Hemmnisse abgebaut werden. Das würde einen Anreiz für zusätzliche Bauinvestitionen auslösen, was den Preisdruck zugunsten der Bürger dämpfen könnte.
Unsere Forderungen
Darf nicht teurer werden
Grundsteuer aufkommensneutral reformieren: Der BdSt plädiert für eine wertunabhängige Einfachgrundsteuer mit niedrigen Hebesätzen.
Eigenheim ermöglichen
Spürbare Entlastungen bei der Grunderwerbsteuer: Kurzfristig sollte der Ersterwerb eines typischen Eigenheims steuerfrei gestellt werden. Zudem sollten generell die Steuersätze deutlich reduziert werden.
Stromsteuer senken
Der Stromsteuersatz, der den EU-Mindestwert um das 20-fache übersteigt, ist abzusenken.
Wohnnebenkosten senken
Die Mehrwertsteuer auf Energie sollte von 19 Prozent auf 7 Prozent gesenkt werden, wie es bereits in anderen EU-Staaten der Fall ist.
Bauboom auslösen
Die Abschreibungsmöglichkeiten für Wohnimmobilien sollten verbessert und bürokratische Hemmnisse abgebaut werden. Das würde einen Anreiz für zusätzliche Bauinvestitionen auslösen, was den Preisdruck zugunsten der Bürger dämpfen könnte.
Leere Versprechungen
Wohnen muss bezahlbar bleiben! Steuern und Abgaben machen das Wohnen jedoch immer teurer, stellt der Bund der Steuerzahler kritisch fest. Ob Grundsteuer, Grunderwerbsteuer, hohe Stromnebenkosten oder steigende Müllgebühren: Oft ist der Staat selbst Kostentreiber für hohe Mieten oder zusätzlichen Kosten für das Eigenheim.
Die Politik verspricht seit Jahren gutes und bezahlbares Wohnen. Deshalb spannt sie Wohnungswirtschaft und Eigentümer zum Beispiel bei der Mietpreisbremse ein. Allerdings verdient der Staat am Wohnen ebenfalls ordentlich mit. Deshalb fordert der Bund der Steuerzahler, dass auch der Fiskus seinen Beitrag zu bezahlbaren Wohnraum leistet! Dazu zählt aus unserer Sicht eine maßvolle Grund- und Grunderwerbsteuerbelastung sowie Energiebesteuerung.
Grundsteuer
Grundsteuerreform 2025
Die Grundsteuerreform, die seit Anfang 2025, bringt erhebliche Veränderungen für Grundstücks- und Immobilienbesitzer in Deutschland mit sich. Während die Reform die veralteten Bewertungsgrundlagen ablöste und eine bundesweit einheitliche Bewertung mit dem Stichtag 1. Januar 2022 einführte, verursachte sie – aufgrund unterschiedlicher Modelle in den Bundesländern – schließlich höchst unterschiedliche Steuerbelastungen. Dies sorgt für Verunsicherung und Kritik – vor allem wegen fehlerhafter Immobilienbewertungen, unterschiedlich festgelegter Bodenrichtwerte und vereinfachter Mietertragsannahmen. Die Reform ist mit erheblicher Bürokratie verbunden und verursacht zusätzliche Kosten für Verwaltung und Steuerzahler. Trotz des Gebots der Aufkommensneutralität erhöhen einige Kommunen die Hebesätze, was zu weiteren Belastungen führt.
Der Bund der Steuerzahler prüft deshalb die Verfassungsmäßigkeit des Bundesmodells in Musterverfahren und fordert zugleich: Die Länder sollten die Öffnungsklausel nutzen! Unser Vorschlag: Eine einfache Grundsteuer, die sich an den Modellen von Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen orientiert.
Um Steuererhöhungen aufzudecken, stellt der BdSt einen Grundsteuer-Checker online bereit. Interessierte können dort erfahren, in welcher Kommune sich die Grundsteuer bereits erhöht hat. Der Checker ist hier abrufbar.
Grunderwerbsteuer
Grunderwerbsteuer – Immer noch keine Entlastung
Die Belastung durch die Grunderwerbsteuer für Immobilienkäufer ist in Deutschland seit Jahren deutlich gestiegen. Dadurch wird die Eigentumsbildung insbesondere für Haushalte mit mittlerem Einkommen massiv gehemmt. Aktuell reichen die Steuersätze landesweit von 3,5 Prozent in Bayern bis zu 6,5 Prozent in anderen Bundesländern. So wurde der Steuersatz beispielsweise zuletzt in Bremen zum 1. Juli 2025 auf 5,5 Prozent erhöht.
Statt weiterer Steuererhöhungen fordert der Bund der Steuerzahler eine klare Entlastung: Die Grunderwerbsteuer für Ersterwerb von selbstgenutztem Wohneigentum sollte durch einen Freibetrag – anstelle der bisherigen Freigrenze – ersetzt werden. Nur so wird der Weg ins Eigenheim erschwinglicher. Es ist höchste Zeit, dass Bund und Länder gemeinsam handeln und diese Bremse für den Wohnungsbau und die Vermögensbildung beseitigen. Die bisherigen regional uneinheitlichen Fördermaßnahmen reichen bei weitem nicht aus. Der Steuerwettbewerb darf nicht länger zu Lasten der Bürger gehen, sondern muss zugunsten einer fairen und sozialverträglichen Steuerpolitik umgekehrt werden. Wie Studien belegen, sorgen niedrigere Steuersätze nicht nur für mehr bezahlbaren Wohnraum, sondern auch für höhere Bauinvestitionen und langfristiges Wachstum.
Konkret fordert der BdSt: Kurzfristig muss den Ländern eine flexiblere Ausgestaltung der Grunderwerbsteuer ermöglicht werden. Langfristig müssen die fiskalischen Anreize des Länderfinanzausgleichs für Mehreinnahmen über die Grunderwerbsteuer beseitigt und die Steuersätze gesenkt werden. Deshalb mahnen wir zugleich eine dringend nötige Entbürokratisierung bei der Eigentumsbildung und Wohnraumgestaltung an.
Energiekosten
Senkung der Energiesteuer – Versprechen gebrochen
Die Energiepreise in Deutschland bleiben weiterhin eine große Belastung für Privathaushalte. Trotz rückläufiger Beschaffungskosten ist der Strompreis 2025 nur geringfügig gesunken und liegt bei durchschnittlich 39,6 Cent/kWh. Ein erhebliches Problem ist die hohe Steuer- und Abgabenlast, wobei rund ein Drittel des Strompreises aus diversen Steuern und Umlagen besteht. Beim Gaspreis sieht es nicht viel anders aus. Das aktuelle politische Umfeld bietet zwar Möglichkeiten für Entlastungen, tatsächlich wurden jedoch versprochene Steuersenkungen – wie die Reduzierung der Stromsteuer – nicht umgesetzt. Die Prognosen gehen weiterhin von steigenden Strom- und Energiepreisen aus. Die Bundesregierung steht unter Druck, Steuerzahlern durch eine Reform der Energiesteuern und -abgaben spürbare Entlastungen zu ermöglichen. Parallel dazu läuft eine vom Bundesverfassungsgericht angenommene Verfassungsbeschwerde, welche die Erhebung der Umsatzsteuer auf Energiesteuern in Frage stellt.
Der Bund der Steuerzahler fordert vor diesem Hintergrund seit Langem: Um die Bürgerinnen und Bürger ernsthaft zu entlasten, sollte der Mehrwertsteuersatz auf Beschaffungs- und Vertriebskosten für Gas, Heizöl und Strom dauerhaft auf 7 Prozent gesenkt werden. Schließlich sind Heizstoffe lebensnotwendige Güter und sollten nur mit diesem ermäßigten Satz besteuert werden dürfen. Auch die Stromsteuer ist anzupassen: Sie sollte für private Haushalte auf das EU-rechtlich zulässige Mindestmaß gesenkt werden – also von derzeit 2,05 Cent/kWh auf 0,1 Cent/kWh.